Als Franz zum Kaiser wurde
Zum Auftakt von „Kärnten unplugged“ trifft Host Claudia Grabner zwei Kärntner „Kaiser“: Ski-Ikone Franz Klammer und Landeshauptmann Peter Kaiser. Im Mittelpunkt stehen Klammers legendärer Olympia-Abfahrtslauf 1976 (1:45,73), der Umgang mit Druck, Mut und Bauchgefühl – und was diese Erfahrungen mit politischer Führung gemeinsam haben. Dazu: Freundschaft mit Rivalen, geerdet bleiben trotz Ruhm, Zukunft des Skisports und warum Kärnten für beide vor allem eines ist: Heimat.
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Hallo und herzlich willkommen zu Kärnten unplugged, dem neuen Podcast des Landes Kärnten. Folge eins - und die Premiere könnte nicht besser sein. Es sind zwei Kaiser, die diesen Auftakt unseres Podcasts zu etwas ganz Besonderem machen.
Und das unplugged: unverfälscht, ehrlich, echt.
Vor dem Mikro darf ich begrüßen Ski-Kaiser Franz Klammer und Landeskaiser Landeshauptmann Peter Kaiser.
Mein Name ist Claudia Grabner. Ich leite die Landeskommunikation des Landes Kärnten.
Tatsächlich verbindet unsere beiden Gäste mehr als der Kaiser-Name. Was das ist, das wollen wir jetzt - neben vielen anderen Sachen - unplugged erfahren.
Ich würde vorschlagen, wir halten es nach dem Vorbild von Franz Klammer, verlieren keine Sekunde und stürzen uns wild entschlossen und wagemutig ins Rennen und ins Gespräch
Herr Klammer, eine Minute, 45 Sekunden, 73 Hundertstel: Das war die Zeit, mit der sie sich genau heute vor 50 Jahren, am 5. Februar 1976, auf den Kaiserthron katapultiert haben. Es war ein wirklich spektakulärer Ritt. Der Nervenkitzel war nicht zu überbieten, mit dem Sie sich Olympiagold in der Abfahrt geholt haben. Welcher Moment dieser 1: 45,73. steckt Ihnen heute, 50 Jahre später, noch in den Knochen?
Na ja, 50 Jahre später, kommt es mir vor, als ob es gestern gewesen wäre. Also, ich erinnere mich fast an die ganze Abfahrt. Eine Passage, wo es mir den Schier verfangen und mir hinten auf den Buckel hinaufgehaut hat, weil ich eine Welle nicht gesehen habe, die habe ich vergessen. Aber sonst weiß ich alles.
Herr Landeshauptmann, Sie waren damals 17 Jahre. Können Sie sich noch erinnern, wie und wo Sie diesen 5. Februar 76, ungefähr 12:45, erlebt haben?
Ich weiß das noch ganz genau. Wir waren daheim in unserer Wohnküche mit meinem besten Freund, dem Joe, und haben mitgefiebert. Und ich gestehe dir, Franz, ich habe bei der Zwischenzeit, als Bernhard Russi noch schneller war, fast schon Angst gehabt, dass du es nicht schaffst.
Aber du hast mich einmal mehr eines Besseren belehrt und wir sind gehüpft und - ich gestehe - wir haben damals für 17-Jährige schön gefeiert.
Peter, ich habe bei der Zwischenzeit auch Zweifel gehabt, dass es zu wenig ist. Dann habe ich im unteren Teil wirklich die Linie geändert. Ich bin sonst im Training das Bäreneck immer eng gefahren und bin jedes Mal langsamer geworden. Ich habe nicht gewusst, was ich tun soll. Im Rennen bin ich hingekommen und habe gedacht, ich mache jetzt ganz etwas anderes, ich fahr ganz hinauf, zum Zaun dazu, habe da oben erst den Schwung angesetzt – und das war die perfekte Kurve. Und da habe ich die ganze Zeit gegenüber Russi rausgeholt.
Habe ich bis heute nicht gewusst. Freut mich umso mehr, jetzt weiß es ganz Kärnten.
Franz Klammer Sie haben gesagt, Sie haben gewusst, entweder gewinne ich, oder es haut mich auf die Goschen. Das heißt, Sie haben alles riskiert. Muss mal so ein furchtloser, wilder Hund sein? Sie sind ja auch genannt worden „der wilde Hund von Kärnten“. Also muss man so ein wilder Hund sein, damit man erfolgreich ist?
Ja, wild schon, aber zur richtigen Zeit. Man muss schon a bissl dosieren. Man muss wissen, wo man riskieren kann, wo man nicht riskieren kann.
Aber es war so: Am Start oben mit Nummer 15 – und 15 war für mich eine Katastrophe, ich wollte eigentlich 3 haben, die hat dann Russi gehabt – habe ich zwischendurch schon gezweifelt an der ganzen Situation. Im Training bin ich nie Bestzeit gefahren und der Russi war so weit voraus: Russi Bestzeit und die anderen eineinhalb Sekunden hinten. Dann kommt endlich der Plank, da habe ich gedacht, naja, jetzt kann ich ihn schlagen
Aber wie ich dann in den Start hineingegangen bin, habe ich gewusst, ich gewinne das Rennen. Wie ich die Stecken drübergetan habe: Ich gewinne das Rennen. Es gibt nur zwei Sachen: fliegen oder Erster werden. Wenn du als Favorit hinfährst, dann ist Angst vor der Niederlage das Schlimmste. Sagen: Nein, ich darf ja nicht, denn sonst könnte was passieren… Ich habe dann wirklich viel riskiert, teilweise fast ein bisschen zu viel – deshalb ist dann der Lauf auch so dramatisch ausgefallen.
Apropos viel riskieren: Herr Landeshauptmann, wie viel muss man riskieren und wie wild und furchtlos muss man sein, damit man in der Politik nach oben kommt und damit man sich über Jahrzehnte oben hält?
Ich glaube, man kennt mich soweit, dass das Wild-Sein zumindest in meinem zweiten Lebensabschnitt eher weniger zutage getreten ist. Ich war sehr engagiert und von dem, was ich tue, relativ überzeugt in meinen Juso-Jahren. Ich habe aber auch gemerkt, dass manchmal Ruhe, Zuhören-Können die besseren Attribute sind, um das eine oder andere zu erreichen - zumindest in der Politik. Ich bin froh, dass der Franz weitaus engagierter und wilder war, denn mit meiner Ruhe hätte er damals dem Russi die Goldene überlassen.
Franz Klammer, Sie selbst waren damals 22 Jahre jung, also wirklich noch ein junger Bursche. Sie haben schon in der Vorsaison den Abfahrtsweltcup gewonnen und haben auch in diesem Olympiawinter die Abfahrt dominiert. Sie haben damals schon die Abfahrten in Madonna di Campiglio, Wengen, Morzine und Kitzbühel gewonnen. Das heißt, die Erwartung war eine riesengroße. Ganz Österreich hat von Ihnen erwartet: „Der Franz holt Gold“. Wie hält man diesem Druck stand?
Indem man die Außenwelt einfach blockiert. Ich habe keine Zeitung gelesen, ich habe kein Fernsehen geschaut. Nichts. Ich verstehe es eh nicht, wie heutzutage die ganzen Rennfahrer mit dem Social-Media und dem ganzen Zeugs umgehen und posten. Und ich habe mich also wirklich eingeigelt – und habe mich wirklich gut konzentrieren können. Den ganzen Hype habe ich absichtlich nicht mitgekriegt. Es hat mich nicht interessiert. Und so war ich doch in der Lage, mich nur auf das Rennen zu konzentrieren.
Am Vortag war die Eröffnung der Olympischen Spiele und da war ich Fahnenträger: Das war für mich eine gelungene Abwechslung, einmal was anderes, nicht alleweil denken auf die Sekunden und Zehntelsekunden und wo habe ich verloren und wo kann ich noch etwas holen. Und so habe ich die Eröffnung genossen und mit großem Stolz habe ich die österreichische Fahne getragen. Also das war schon ein sehr schöner, bewegender Moment.
Herr Kaiser, was war denn der größte politische Druck in Ihrer bisherigen Laufbahn?
Es gibt oftmals Situationen, da man weiß, jetzt muss man etwas bringen, ob es jetzt Wahlen sind etc. Aber die größte Herausforderung bei mir war, als ich Parteivorsitzender 2010 wurde: Man hat erwartet, dass jetzt endlich dieser Dauerstreit innerhalb der SPÖ beendet wird. Das ist mir dann Gott sei Dank gelungen.
Franz Klammer, Sie waren ja quasi einem Doppeldruck ausgesetzt: Auf der einen Seite die Erwartung der ganzen Nation, auf der anderen Seite hat aber auch Ihr Skiausrüster Fischer Druck auf Sie ausgeübt. Sie sollten nämlich genau bei dieser Olympiaabfahrt erstmals den revolutionären Loch-Ski fahren. Und da haben Sie aber auf Ihr Bauchgefühl gehört, Sie haben darauf bestanden, mit Ihrem bewährten Ski, dem C4, zu fahren. Wie schwer war es da, dass Sie sich mit Ihrem Bauchgefühl durchsetzen konnten?
Ich habe sogar einen Dreifach-Druck gehabt – auch den Druck von mir selbst. Ich musste das einfach gewinnen: Wenn du als Favorit hinfährt und du gewinnst alles und du bist zu dem Zeitpunkt der Beste und du gewinnst dann das wichtigste Rennen nicht, das wäre für mich schon eine Riesen-, Riesenenttäuschung gewesen.
Aber zum Ski: Es war nicht der Loch-Ski, nicht die Innovation, das Neue. Sondern ich habe oben am Start einen Ski gehabt, mit dem habe ich fast alle Rennen gewonnen, auf den habe ich vertraut. Wenn der am Start oben gelegen ist, habe ich gewusst, da ist was. Vielleicht wäre der Lochski sogar besser gewesen, das weiß ich nicht. Ich habe auch einen Abfahrtsanzug, mit dem ich immer gefahren bin und ich habe einfach auf meine Basis vertraut und deshalb wollte ich mit dem fahren. Ich habe mich am Vortag noch mit dem Pepi Fischer gestritten, er hat gesagt, ich muss mit dem neuen Ski fahren und ich habe gesagt, Pepi, du kannst mich gern haben. Und dann ist auch noch die Startnummernverlosung gekommen und ich habe die Nummer 15. Und der Ingenieur kommt herein und sagt Startnummernverlosung war. Und ich sag: Was habe ich? 3? Weil er hat gesagt, super. Aber er sagt, nein, 15. Ich habe gedacht, ich werde narrisch, denn 15 ist die größte Katastrophennummer für mich gewesen. Da muss ich oben am Start warten, was die anderen davor gemacht haben.
Dann bin ich zu meinem Servicemann gegangen und hab gesagt: Helmuth, ist der Ski schon fertig hergerichtet. Sagt er, ja, er ist fertig. Dann habe ich ihn mit ins Zimmer genommen, denn man weiß ja nie, ob er nicht wegkommt.
Und es hat dann vom Fischer wahrscheinlich keine Konsequenzen geben, weil Sie sowieso Gold geholt haben?
Es war alles eitel Wonne. Es hat dann alles gepasst.
Man hat ja auch in der Politik Berater, Spindoktoren, Experten, auf die man hören sollte. Hat es in Ihrer politischen Laufbahn schon einmal die Situation gegeben, wo Sie entgegen den ausdrücklichen Ratschlägen von Ihren Beratern und Spindoktoren auf Ihr Bauchgefühl gehört haben?
Unzählige, wahrscheinlich. Aber ich habe eigentlich bei wichtigen Themen immer ein Team von sehr vertrauten Leuten, wo wir wechselseitig wissen, wie wir ticken. Und ich nehme immer gern gute Aspekte an, denn selber ist man nicht in der Lage, alles zu sehen. Und wenn von außen dann einmal eine Wahrnehmung kommt, die man so nicht berücksichtigt hat, dann fällt kein Stein aus der Krone, wenn man dann das mit übernimmt. Aber ich habe an und für sich ja recht gutes Bauchgefühl in manchen Belangen. Ich habe auch Momente erlebt, da mich das Bauchgefühl völlig getrogen hat, wo ich ganz einfach zu wenig nachgedacht habe und auch ziemliche Fehler gemacht hat. Aber das passiert wahrscheinlich auch vielen, die heute diesem Podcast zuhören.
Eine Frage an beide: Welche sportliche oder politische Entscheidung war für Sie persönlich die schwierigste?
Bumm. Eigentlich gab´s da gar keine. Es war für mich leicht, zum Skifahren anzufangen – mit 14 Jahren habe ich angefangen und mit 15 Jahren habe ich gewusst, ich werde Schirennfahrer. Dass es dann so weit geht, habe ich mir nicht gedacht. Und das Aufhören war dann auch relativ einfach: Ich bin am Start oben gestanden und habe herumgeschaut und mir gedacht, da habe ich nichts mehr verloren. Ich bin dann runtergefahren, eh nicht mehr gar so gut, das war in Aspen 1985 – und habe aufgehört. Ich habe gedacht, das wird viel schwieriger werden, weil das Rennenfahren war einfach in mir und die schönste Zeit im Leben. Am Start zu stehen, das gibt einem so einen Push, das kann man sich nicht vorstellen. Und auf einmal ist es aus. Aber ich habe nie zurückgeschaut. Es ist alles leicht gegangen. Was das Schwierigste war, weiß ich eigentlich gar nicht.
Es gab wahrscheinlich sehr, sehr viele schwierige Situationen, sehr viele. Alleine wenn ich an die Hypo-Heta-Abwicklung denke. Vor allem als das erste Angebot gescheitert ist und wir knapp vor einer Situation waren, die Kärnten handlungsunfähig gemacht hätte. Persönlich war es für mich sehr, sehr schwierig, als ich vor meine Freundinnen und Freunde treten musste in der Kärntner Tageszeitung, als der Verkauf angestanden ist. Das waren Momente, die mir auch heute noch in Erinnerung bleiben. Aber wir haben sie mit Schmerz trotzdem geschafft zu bewältigen.
Aber danke, Franz, ich werde an deine Worte denken, und mir diese Passage heranholen, wenn es bei mir so weit sein wird von einem Tag auf den anderen. Ich werde halt im Unterschied zu dir nicht ein strahlender Sieger sein, aber ich werde Zeit-Millionär werden.
Also das glaubst nur du, dass du mehr Zeit haben wirst. So leicht geht das nicht mit dem Zeit-Haben.
Noch einmal zurück zum Loch-Ski: Das war ja das zentrale Element des Hollywoodfilms, den man über Ihr Leben gedreht hat. Wie war das denn, wenn man sich selbst in einem Film dargestellt sieht?
Sehr komisch. Ich schaue mich selber nicht gar so gerne gerne an bei Interviews und so. Und dann der Film – da dreht sich alles über mich! Es hat ja viele Projekte gegeben, die eine Chronologie gemacht haben, so vom Bauernbuam zum Olympiasieger. Ich wollte aber diese eine Olympiawoche 1976 in Innsbruck, die mit allem Drum und Dran so intensiv war, im Zentrum haben. Und die haben das sehr, sehr gut zusammengebracht. Die Eva und ich haben mit den Schauspielern viele Gespräche geführt und das haben sie alles super drübergebracht. Aber dann sitzt du da und siehst, ein anderer spielt dich selbst… das war ein komischer Moment.
Herr Landeshauptmann, im Unterschied zu Franz Klammer haben Sie noch keinen Hollywoodfilm. Sollte einmal Ihr Leben verfilmt werden, wen wünschen Sie sich denn als Schauspieler, als Ihren Darsteller?
Ich habe sogar mit einem darüber gesprochen. Das war vor zwei Jahren, als seine Gattin bei uns in Eberstein gewesen ist. Das ist Hugh Grant. Und mir ganz Wohlmeinende haben sogar gemeint, er schaue mir ein klein wenig ähnlich. Also sollte es unwahrscheinlicher Weise dazu kommen, dann soll es der Hugh Grant sein.
Ja, eine gute Wahl. Das ist ein guter Freund von mir, der Hugh Grant. Ja. Dann kann ich vermitteln. Wir spielen Golf zusammen in Schottland.
Franz, Was war denn Ihr Lebenstraum? Ich gehe einmal davon aus - Sie haben ja gesagt, mit 15 Jahren war für Sie klar, ich werde Skirennfahrer. Und da liegt es auf der Hand, dass dann der Lebenstraum ist, Olympiasieger zu werden. Wenn das der Traum gewesen ist, dann haben Sie sich diesen Traum schon mit 22 Jahren erfüllt. Was kann denn da noch kommen?
Sehr viel. Ich bin dann noch viele Rennen gefahren und war sehr erfolgreich. Es geht nicht nur, aber schon auch ums Gewinnen. Wenn man in der Lage ist… es geht nicht um das Sich-selber-Beweisen, sondern um den Spaß an der Sache. Und dass du schneller fahren kannst als die anderen. Das macht schon was aus. Mein Lebenstraum war Schifahren. Dass ich da soweit kommen werde, dass ich in der Abfahrt über viele Jahre dominierend war, das ist schon etwas… Ich habe immer gesagt, im Slalom musst du so früh aufstehen und da sind so viele Tore im Weg. Aber in der Abfahrt – das ist Freiheit, da kannst du es so richtig laufen lassen. Und da bin ich richtig zum Abfahrer geworden. Ich komme ja aus der Technik, vom Slalom und Riesenslalom.
Herr Landeshauptmann, Sie waren, wie schon gesagt, 17 Jahre alt, sind damals vor der Matura gestanden und haben sich schon politisch betätigt in der Jungen Generation. Was war denn damals Ihr Lebenstraum und Ihre Vorstellung vom Leben?
Na, ich habe eigentlich nie so in Richtung Karriere oder was gedacht, sondern ich wollte damals zuerst einmal zum Bundesheer und dann studieren, wollte Jus in Graz machen und nebenbei in der Landesregierung arbeiten, weil ich das Angebot hatte. Gekommen ist es anders: Studienrechtsreform. Ich habe kein Kleines Latinum gehabt, habe dann nur gearbeitet, weiter Politik gemacht und dann nebenbei an der Klagenfurter Universität studiert. Träume oder sich Abschnitte vorher planen, das hab ich nie gehabt. Ich bin dann in die Situation gekommen, dass ich ab meinem 50. Lebensjahr eigentlich meine Lebensplanung von einem Tag auf den anderen ändern musste, weil ich in die Kärntner Landesregierung gegangen bin. Und da haben wir Berufsverbot. Auf einmal hat sich mit 50 Jahren ein neues Leben aufgetan. Spannend.
War es jetzt rückblickend das Leben, das sie beruflich erfüllt hat?
Ich glaube, dass das Berufliche gar nicht alleine das Bestimmende ist. Es geht auch um soetwas wie eine innere Ausgewogenheit; auch darum, Menschen um sich zu haben, die man gerne hat; und darum, im Sinne der Gemeinschaft das eine oder andere zu erreichen. Es waren keine Weltcupsiege und keine Olympiasiege dabei. Aber es sind viele Momente gewesen, wo ich das Gefühl hatte, da habe ich jetzt jemandem oder einer Gemeinschaft helfen können. Und das ist für mich immer etwas, was zu den schönsten Momenten gehört.
Franz Klammer, Sie haben ja einen richtigen Klammer-Hype ausgelöst. Eine Klammer-Mania. Sie haben viermal in Folge den Abfahrtsweltcup geholt, 1975, 76, 77, 78. Sie sind eine Symbolfigur geworden. Wie schafft man es da, als „Kaiser Franz“ der „Kärntner Bua“ zu bleiben?
Einfach so bleiben, wie man ist. Ich bin ein schneller Schifahrer gewesen, ja, ich bin zu dem Zeitpunkt wirklich der Schnellste gewesen. Aber das ist kein Grund abzuheben, sondern ganz normal die Dinge weiterzumachen. Und dann war natürlich schon die Familie dahinter. Die Mooswald-Familie war schon immer ein Anlaufpunkt, wenn es halt manchmal nicht ganz so gut gelaufen ist. Wenn ich heimgekommen bin, war ich immer der Franz. Und das hat mir schon Kraft gegeben.
Man sieht in der Politik, dass es nicht jedem Politiker gelingt, am Boden zu bleiben. Was ist Ihr Rezept, geerdet zu sein?
Ich bin ein Waidmannsdorfer: Wenn man in einer Siedlung aufgewachsen und sozialisiert ist, wenn man gesehen hat, was die eigene Mutter geschaffen hat, nachdem der Vater früh gestorben ist, und wie sie uns als Reinigungsfrau durchgebracht hat, dann weiß man, woher man kommt. Und das vergisst man nicht. Ich bin heute noch immer ein Waidmannsdorfer.
Wenn man so in der Öffentlichkeit steht, dann ist man natürlich ein Vorbild. Gibt es da einen Moment, wo dieses Vorbild-Sein-Müssen zu einer Last wird? Zu einer Bürde wird?
Von meiner Seite her nicht, weil ich diese Vorbildfunktion, die man einem zuschreibt, nicht als Belastung empfinde, sondern - ich sage es ganz offen - eher als Kompliment. Und einem solchen Anspruch zu entsprechen, das ist, glaube ich, auch so etwas wie eine innere Ordnung, völlig egal, in welcher Profession oder Situation man ist.
Dem kann ich eigentlich nur beipflichten. Es macht mich eigentlich sehr stolz, dass ich viele Jugendliche, auch Erwachsene, inspiriert habe mit meinem Skifahren. Viele haben wegen mir zum Schifahren angefangen. Und es gibt auch sehr viele Geschäftsleute, speziell in Amerika, die schauen vor einem wichtigen Geschäftstermin meinen Abfahrtlauf an, damit sie so richtig aufgeheizt sind und sehen, aha, mit Mut und Risiko kann man viel erreichen. Das macht mich eigentlich sehr stolz, dass ich soetwas zusammengebracht habe.
Noch einmal zurück zu Ihrem historischen Olympiasieg: Dazu gibt es ja unzählige Dokumentationen. Und ein Aspekt, der mich persönlich immer sehr berührt hat, war Ihre Beziehung, Franz Klammer, zu Bernhard Russi. Er ist ja wirklich von einem Rivalen und Konkurrenten zu einem Freund geworden. Er selbst hat gesagt: Ich habe am Patscherkofel nicht nur Silber gewonnen, sondern einen Freund. Wie tief geht denn das?
Das macht mich auch sehr stolz, dass ich mit vielen Konkurrenten oder Mitbewerbern, Mitstreitern, Freunde geworden bin. Mit dem Hooker, dem Russi, den Schweizern. Unter uns Rennfahrern gibt es ja keine Schweizer, gibt es keinen Italiener, sondern wir sind eine verschworene Gemeinschaft. Das macht ja nur die Presse… Natürlich, die Österreicher sind stolz auf die Österreicher, die Italiener auf die Italiener. Das ist ja ganz normal, von dem lebt auch der Sport. Ist ja ganz logisch. Aber wir haben auch schon vorher oft beim Besichtigen die Linie ausgetauscht: Wovor fährst du da und so haben wir gefragt. Also es war nicht so, dass man mit denen nichts zu tun haben will.
Wie ich in Innsbruck ins Ziel gekommen bin und der Bernhard zu mir hergekommen ist … also ich weiß nicht, ob ich das können hätte… er ist gekommen mit so einer ehrlichen Gratulation, ich war ganz bewegt. Was er gemacht hat, das zeugt von irrsinniger Größe.
Kann es in der Politik das geben, dass aus einem Konkurrenten ein Freund wird?
Freilich, ich habe sehr viele Freunde, auch bei Mandatarinnen, Mandataren in anderen Parteien und ich schätze diese Freundschaften auch sehr. Für mich ist eines wichtig, im Politischen gesprochen, innerhalb des Demokratiebogens zu sein. Ich respektiere andere Meinungen, andere Grundwerte, Grundsätze. Aber das Demokratische, das für Menschen und für das Miteinander-Dasein muss da sein. Und wenn ich nur daran denke, an die erste Dreierkoalition als ich damals Landeshauptmann wurde. Ich war sehr gut befreundet mit Wolfgang Wallner. Ich war sehr gut befreundet, bis heute noch, auch mit Rolf Holub. Wir waren sogar zu dritt mit unseren Partnerinnen öfters auf Kaffee, Kuchen, manchmal auch ein Bier.
Haben Sie noch Kontakt zu Bernhard Russi?
Sehr viel. Das heißt, wir treffen uns sehr oft und spielen manchmal Golf. Und es gibt auch Veranstaltung, wo man sich so trifft. Etwa auch bei Legendenrennen. Wobei das Rennfahren nicht mehr meins ist. Ich bin fertig mit dem Rennfahren. Irgendwann wird es dann zu anstrengend.
Sie haben zu meiner vollkommenen Überraschung einmal gesagt, Bernhard Russi ist der beste Abfahrer aller Zeiten. Das sind doch eindeutig Sie.
Na ja, ich war der Schnellste. Aber der Bernhard ist einfach super technisch. Springen, zum Beispiel, das habe ich nie können: Ich bin immer so daher gekommen mit den Schiern in der Höhe und da drüber komme. Und der Bernhard ist so elegant vorgesprungen und da hat immer alles gepasst. Bei mir sind zwar die Schier gelaufen, aber sonst hat es ein bisschen wild ausgeschaut. Ich sag immer im Nachhinein, ich habe den Leuten zugewunken, so habe ich mit den Armen gewachtelt. Und der Russi war immer so elegant.
Wenn man so erfolgreich ist, hat man plötzlich Hunderte Freunde. Wie schwer ist es da, zwischen Freund und „Freund“ unter Anführungszeichen zu unterscheiden? Und sind Sie dabei schon einmal richtig eingefallen?
Nein, eigentlich nicht. Freunde oder Freundinnen, das spürt man eigentlich vom Gefühl her. Da ist nicht immer die Ratio, der Kopf, der Verstand da, sondern man spürt das in Situationen, man spürt es in Momenten. Man spürt es vor allem auch dann, wenn man längere Zeit zusammen ist oder etwas gemeinsam bewältigt. Also eine große Enttäuschung, was Freundschaften betrifft, ist mir erfreulicherweise erspart geblieben.
Bei Ihnen?
Ich kann auch sagen, das ist mir nicht passiert. Aber ich bin ja eigentlich einer, der die schlechten Sachen super verdrängen kann.
Da haben wir wieder etwas gemeinsam…
Und übrig bleiben dann die guten Sachen
Apropos schlechte Sachen: Sie haben in den 1970er Jahren schon fast eine Hysterie ausgelöst. Und dann ist die Zeit gekommen, Anfang der 80er Jahre, da ist es dann nicht mehr so super gelaufen. Sie hatten eine Flaute. Trotzdem haben Sie sich zurückgekämpft und haben dann 1983 das fünfte Mal den Abfahrtsweltcup geholt. Wie haben Sie sich da wieder ganz nach vorne gepusht? Wie haben Sie sich motiviert? Haben Sie einen Psychologen, an Coach gehabt? Hat es das damals schon gegeben?
Nein, das hat es noch nicht gegeben. Also man hat einmal versucht, einen Psychologen bei uns einzuschleusen. Und der war dann bei uns und der Werner Grissmann und ich haben ihn sehr gestört in seinem Vortrag. Dann habe ich ihn gefragt, ob er in Kitzbühel schon einmal oben gestanden ist. Dann sagt er nein. Dann sage ich, was willst du mir dann sagen, was ich in Kitzbühel oben machen soll am Start? Dann ist er heimgefahren. – Es war so: Es war das Selbstvertrauen weg. Zuvor bin ich voller Selbstvertrauen einfach gefahren. Es war selbstverständlich. Im Laufe der Zeit haben sich dann ein paar Fehler eingeschlichen und auf einmal war das Selbstvertrauen weg. Und da habe ich sehr lange gebraucht, bis ich wieder zurückgefunden habe. Ausschlaggebend war meine Frau. Sie hat gesagt, du fährst so gerne Schi, das macht dir so einen Spaß, nimm das nicht so ernst. Tatsächlich habe ich damals so einen Tunnelblick gehabt, ich habe noch mehr trainiert, alles intensiver gemacht, aber das hat nicht funktioniert. Erst als ich lockergelassen habe und gesagt habe, okay, ich fahre einfach – auf einmal sind die Schi wieder gelaufen. Davor habe ich sie gehalten. Die Familie war da wieder sehr ausschlaggebend.
Herr Landeshauptmann, hat es in Ihrer politischen Laufbahn schon Momente des Selbstzweifels gegeben, oder wo Sie gedacht haben, das ist jetzt nichts mehr für mich? Ich höre auf?
Definitives Aufhören, nein, diesen Moment hat es nicht gegeben. Ich bin niemand, der eine Sache, von der er überzeugt ist, eine Grundeinstellung, aufgibt, nur weil man das eine oder andere nicht erreicht oder eine Niederlage hinnehmen muss. Ich glaube, aus allem im Leben gewinnt man Erfahrungen, lernt man etwas. Das gesamte Leben ist ein Bildungsprozess, dafür sind Siege und Niederlagen auch da. Wenn Franz Klammer nur gewonnen hätte, wäre er nicht der Franz Klammer, der mir heute gegenübersitzt. Man braucht beides: Siege, Niederlagen, aber dann auch wieder den Mut, nicht aufzugeben und sich der neuen Herausforderung zu stellen.
Ich habe ja aus Niederlagen gelernt zu siegen. Ja, ich war 1974 der schnellste Mann am Berg. Niemand ist so schnell gefahren wie ich. Ich habe das Abbremsen im Training eingeführt, damit ich nicht zu weit voraus bin. Gewonnen hat dann aber immer der Colombine, ich war immer Zweiter. Ich habe mir gedacht, das gibt´s ja nicht. Und einmal in Morzine fahre ich runter und höre gerade noch: Colombine Bestzeit. Und ich habe gedacht, heute schlage ich dich. Ich bin eigentlich nur gegen den Colombine gefahren. Dann hat es mich bei einer Kurve rausgehaut, ich bin draußen gestanden im Tiefschnee und habe gedacht, Franz, was bist du für ein Trottel, du denkst an den Colombine, mach doch das, was du gut kannst: Schifahren. Von da weg bin ich nicht mehr gegen eine Person gefahren, sondern gegen den Berg. Ich habe nur noch versucht, den Berg so gut wie möglich zu bezwingen.
Wenn man erfolgreich ist, dann wird man bewundert und beklatscht. Wenn es einmal nicht so super läuft, dann muss man auch viel Kritik einstecken. Wie gehen Sie beide mit öffentlicher Kritik um?
Ich kann gar nicht sagen, dass ich viel Kritik bekommen habe. Also auch wenn es schlecht gelaufen ist, haben mich die Leute unterstützt. Meine Fangemeinde war für mich da. Ich habe sie wahrscheinlich vorher so verwöhnt, dass sie mir nicht böse war, als es nicht so gut war.
Als Politiker ist man doch mehr Kritik ausgesetzt…
Ich habe ein sehr positives Verhältnis zu Kritik. Die mich kritisierende Person hat zumindest Interesse an dem, was ich tue. Wenn man das nicht gut findet, versuche ich, gewisse Verbesserungen zu ziehen. Wenn aber Kritik nur ein Beschmutzen ist, was derzeit in vielen sozialen Medien der Fall ist, dann steht man über den Dingen. Aber ich habe sehr viel aus Kritik auch für mich herausziehen können, um Dinge dann zu verbessern, zu ändern, darüber nochmal nachzudenken.
Wie gerne fahren Sie Ski?
Seit 2000 nicht mehr. Als meine ersten Knieprobleme begonnen haben, habe ich gewusst, mit den neuen Carvingschiern ist das nichts mehr für meine Bandln. Ich brauche meine Bandln und sie haben bis jetzt gehalten.
Und waren Sie davor eher der Abfahrer, der die Freiheit braucht, oder waren sie eher der Carver?
Also der Kaiser Peter hätte nichts am Kaiser Franz ausrichten können.
Und umgekehrt: Wie halten Sie es mit der Politik? Ich könnte mir vorstellen, dass es die eine oder andere Partei gegeben hat, die Ihnen ein Angebot gemacht hat? Hätte Sie da die Politik interessiert?
Ja, ich habe natürlich ein Angebot bekommen. Aber nicht nur von einer, sondern von allen drei Kärntner Parteien. Angefangen hat es mit Jörg Haider. Er kommt zu mir und hat gesagt, ich soll den Sportlandesrat machen. Ich habe gesagt, na, wenn ich schon in die Politik gehe, dann möchte ich eigentlich Landeshauptmann werden. Dann sagt er: Das möchte ja ich werden. Dann habe ich gesagt: Dann haben wir keinen Deal. – Ich bin politisch interessiert, aber ich äußere mich politisch absolut nicht. Ich habe mich bis jetzt ganz gut rausgehalten. Ich habe nie für irgendjemanden eingesetzt. Wenn ein Politiker etwas Gutes macht, egal, von welcher Partei, dann schätze ich das.
Eine gesellschaftspolitisch angehauchte Frage: Wie sehen denn Sie die Zukunft des Skisport vor allem vor dem Hintergrund Nachhaltigkeit, Klimawandel, Kostenfrage, Preise?
Ich glaube, wir werden auch in sehr langer Zeit noch Schifahren. Es ist alles so weit entwickelt, man wird immer effizienter. Okay, wir brauchen Kunstschnee oder Maschinenschnee, wie man sagt. Aber mittlerweile ist das schon so effizient, dass man das machen kann. Und ich glaube, ohne Tourismus kann man speziell in einem Land wie Österreich nicht leben.
Also ich glaube auch, dass der Skisport Zukunft hat. Aber wo ich ein bisschen Sorge habe, ist die Preisstruktur, weil viele, vor allem jüngere oder Mehr-Kinder-Familien beim Skifahren wirklich sehr, sehr genau schauen müssen: Kann man sich das noch leisten? Was ist machbar? Ich glaube, dass der Wintersport als Gesamtes auch ein bissl Veränderungen haben wird. Schlagwort Schneeschuhwandern und solche Dinge. Also ich glaube, die Varietät wird breiter werden, aber das Herz des Wintersportes, zumindest in unseren alpinen Bereichen, wird weiterhin das Skifahren bleiben.
Es ist erfreulich zu sehen: Der Schiklub Fresach hat immer ein Kindertraining, drei, vier Tage über Weihnachten. Und sie haben heuer 80 Kinder gehabt hat. Das ist schon viel. Manchmal haben sie nur 30, 40 Kinder. Die Begeisterung für den Schisport ist nach wie vor ungebrochen.
Aktuell wird ja ein Schulsport-Leistungszentrum in Spital an der Drau errichtet, mit Internatbetrieb. Und da hat man den Anspruch, man will besser sein als Stamms und Schladming. Und im Zuge dessen habe ich gehört, dass ein Schüler, eine Schülerin eine 80 bis 100 Stunden-Woche hat. Ist das nicht enormer Leistungsdruck? Ist das nicht zu viel? Wie viel Stunden haben Sie damals investiert als Jugendlicher?
Schon sehr viele. Aber mehr ins Schifahren, nicht ins Schulgehen. Wir sind ein-, zweimal in der Woche in die Innerkrems gefahren, um 11 Uhr haben wir wegfahren können und dann haben wir trainiert. Aber das war damals ausreichend, weil alle gleich viel trainiert haben. Ich finde es schon sehr gut, dass man ein Zentrum macht, dass die Kinder in die Ausbildung kriegen. Ich habe das Glück gehabt, ohne eine Ausbildung als Holzknecht unterwegs zu sein und dann erfolgreich zu sein. Aber ohne Ausbildung, wenn das im Sport nichts gewesen wäre, wäre das schon schwieriger geworden im Leben. Die Ausbildung ist schon sehr wichtig. Und ich bin froh, dass sie das machen. Und ja, man hat ein intensives Programm, aber die machen das ja alle gern.
Ich glaube auch, dass es die Mischung ist, Freude und auch der Zusammenhalt in den Bereichen. Und es ist ja nicht so, dass man nur ein oder zwei Sportarten hat, sondern wir haben 32 Sportarten, die wir im Schulsportleistungszentrum dann auch in Spittal anbieten werden. Also auch Sommersport und verschiedenste Wintersportarten. Was ich schon glaube, ist, dass - und das ist für mich positiv - die Leistungsbereitschaft und die Leistungswilligkeit werden auch in Zukunft eine ganz gravierende Rolle spielen. Ich sage Chapeau zu den jungen Leuten, die beides machen – Bildung und Sport. Wenn man in beiden erfolgreich ist, dann ist das der Lohn für 80,100 Stunden Einsatz.
Tatsächlich hat Kärnten schon viele Olympiasieger hervorgebracht, die in Summe 14 Mal Olympiagold geholt haben, einmal im Sommer, 13 Mal im Winter. Darunter ist übrigens auch Karl Schnabl, der auch 1976 Gold geholt hat. An dieser Stelle herzliche Glückwünsche, Karl Schnabl, zum 50 Jahr-Jubiläum! Was macht Kärnten im Wintersport besser und richtiger als andere Bundesländer?
Also jetzt als Nicht-Wintersportler mit der Bravour, die der Franz hat: Ich glaube schon, dass aus dem Kärntner Geist, der sich im Wintersport sehr stark auf Oberkärnten konzentriert, ein positives Konkurrenzdenken hervorgegangen ist. Und natürlich, dass das Schifahren vor der Haustür durch gute Infrastrukturen möglich und machbar ist. Das spornt an. Und um das am Beispiel Karl Schnabl festzumachen: Die Möglichkeit, Dinge miteinander zu verbinden, bedeutet: Karl Schnabl hat Karriere als Mediziner gemacht, der Karl hat eigentlich die Grundfeste für das heutige Olympiazentrum gelegt, von dem aus wir heute versuchen, jungen Menschen mit bester sportlicher, medizinischer, psychologischer Betreuung das zu ermöglichen, dass sie in die Fußstapfen von Franz, Karl, Anna Gasser und vielen anderen treten können.
Ich sage das ja gerne: Österreich hat sieben Abfahrtsolympiasieger – davon hat Vorarlberg zwei, Tirol zwei und Kärnten hat drei. Also Kärnten ist das erfolgreichste Skiland in Österreich!
Man kann sagen, dass Sie derjenige waren, der dann die anderen Nachfolger hervorgebracht hat…
Wenn das der Fall war, dann freut mir das sehr.
Herr Landeshauptmann, die Politik hat Ihr Leben geprägt. In wenigen Wochen werden Sie als Landeshauptmann zurücktreten. Als Franz Klammer seine Skikarriere beendet hat, hat er seinen Lebensmittelpunkt in Wien aufgebaut. Wäre das was für Sie?
Also bestenfalls die Wienergasse in Klagenfurt. Ich bin Kärntner, Waidmannsdorfer. Ich möchte meinen Lebensschwerpunkt hier haben.
Sie haben ja Ihre Skikarriere mit 32 Jahren beendet und haben dann aber auf anderen Ebenen weitergemacht. Was war für Sie das Wichtigste, der größte Ansporn und die größte Freude?
Na ja, es ist gar nicht so einfach, etwas zu finden, was man kann und was man gerne macht. Ich habe zunächst Schibekleidung gemacht, was ja nicht wirklich erfolgreich war. Bzw. es war sogar eine zeitlang sehr erfolgreich, aber wir haben so viele Fehler gemacht – zuerst haben wir zu viel Geld ausgegeben und dann hatten wir Experten, von denen ich glaube, dass sie auch nicht so sattelfest waren, das war eigentlich der Grundfehler. Aber es war eine Erfahrung im Leben. Man muss wirklich etwas machen, was man kann und was man gern tut. Das habe ich bis jetzt zusammengebracht: Wenn ich jetzt mit Leuten Schifahren gehe, ich gehe nach wie vor mit Leuten Schifahren, und wenn die sagen, das war der schönste Schitag, dann bin ich sehr froh, dass ich Leuten ein Vergnügen bereiten kann.
Das heißt, Sie sind trotz anderer beruflicher Schwerpunkte Ihrer Leidenschaft, dem Skifahren, treu geblieben. Werden Sie auch Ihrer Leidenschaft, der Politik, treu bleiben?
Hundert prozentig. Ich werde immer ein politisch denkender, handelnder und - wenn ich gefragt werde – Rat gebender Mensch bleiben. Worauf ich mir aber mindestens gleich freue, ist auf die nächste Tour de Franz, wo wir dann gemeinsam mit den Franz die Berge und die Abfahrten besiegen werden. Aber auch da am Rad ist er schneller als ich.
Aber nicht viel.
Es ist so, es ist ja wirklich sehr schön. Wir machen eine Tour de Franz, eine Ausfahrt in Kärnten, und das ist jedes Mal ein Erlebnis. Ich lerne so Kärnten mit dem Radl kennen. Das ist schon wirklich eine gute Sache.
Und dass Peter immer für den guten Zweck dabei ist – Peter ist immer dabei – also das freut mich sehr.
Um am Fast-Ende des Gesprächs auf den Anfang zurückzukommen: Neben Ihren vielen Abfahrtsrekorden ist und bleibt es ja doch diese Zeit 1:45,73, die Ihr ganzes Leben dominiert hat. Haben Sie eine Erklärung dafür, wie es möglich ist, 50 Jahre und wahrscheinlich auch noch die nächsten 30 Jahre so erfolgreich davon leben zu können?
Ich tu solche Sachen nicht wirklich hinterfragen. Ich bin einfach nur froh, dass es so ist.
Also es gibt kein Rezept?
Nein. Na ja, man muss authentisch bleiben.
Welches Rezept oder welche Zutaten muss man jedenfalls mitbringen, um in der Politik erfolgreich sein zu können?
Authentisch sein. Genau dasselbe.
Eine letzte Frage jetzt wirklich an beide Kaiser: Was bedeutet Kärnten für Sie abseits von Amt, Funktion und Medaillen?
Für mich ist Kärnten Heimat. Für mich ist Kärnten da, wo ich sein möchte. Ich war kurz in Wien. Habe in Wien gelebt. Unsere Kinder sind in Wien in die Schule gegangen. Aber jetzt? Ich habe immer gesagt: Ich wohne in Wien, aber daheim bin ich in Kärnten. Und das hat sich nicht geändert. Kärnten mit der ganzen Mentalität, auch mit der Nähe zu Slowenien und Italien, ich genieße das alles sehr. Diese ganze Atmosphäre.
Ja, ich fange mit demselben an: Für mich ist Kärnten und war immer Heimat. Für mich war und wird immer Kärnten eine Aufgabe sein. Und ich schätze an Kärnten so, dass du innerhalb von zwei Stunden in ganz andere Bereiche eintauchen kannst, aber dass du weißt, du kannst in zwei bis drei Stunden wieder da sein, wo du dich doch am Ende des Tages am wohlsten fühlst und wo du glücklich bist.
Könnten Sie sich vorstellen, in zwei Jahren gemeinsam Ihr halbrundes und rundes Geburtstagsjubiläum zu feiern? Sie trennen ja nur fünf Jahre und ein Tag – 3. Dezember und 4. Dezember. Das würde doch eine tolle Party ergeben.
Es wäre nicht das erste Mal. Ja, das würde ich auch sagen.
Ja, wir vereinbaren das. Okay.
Und dann machen wir spätestens dann unseren nächsten gemeinsamen Podcast.
Ich bedanke mich recht herzlich für diesen wunderbaren Auftakt zu Kärnten unplugged!
Ich bedanke mich auch bei den Zuhörern fürs Zuhören, Mithören, Nachhören. Bis zum nächsten Kärnten Podcast. Liebe Grüße!