Der neue Landeshauptmann im Interview

Kärnten hat einen neuen Landeshauptmann: Daniel Fellner - aber wie tickt der Mann, der die Käsnudeln von seiner Mama liebt, in der Koalition garantiert erkennbar sein und die Landesverwaltung mit einem Frühjahrsputz entstauben will. kärnten.tv hat das erste Interview mit ihm geführt.

Transkript:

Peter Kaiser hat das Land nach einer turbulenten Zeit mit vielen negativen bundesweiten Schlagzeilen über Kärnten befriedet. Welche Arbeitsweisen werden die Kärntnerinnen und Kärntner von ihnen erwarten können?

Landeshauptmann Daniel Fellner: „Peter Kaiser hat Großartiges für dieses Land und seine Bevölkerung geleistet. Wenn man zurückdenkt, mit welchen Schlagzeilen die Tageszeitungen voll waren in der Zeit davor, kann man sich glücklich schätzen, dass es besonnener, sachlicher geworden ist. Und es war damals eine seiner Entscheidungsgrundlagen, als er mich in die Politik geholt hat, dass er gesagt hat: Wir sind so unterschiedlich und er genießt diesen Unterschied. So hat er damals die Entscheidung, mich zum Landesgeschäftsführer zu machen, begründet. Und so wird sich meine Politik von Peter Kaisers Politik unterscheiden. Aber ich möchte versuchen, den Stellenwert in Kärnten innerhalb Österreichs, aber auch weit über unsere Staatsgrenzen hinaus, zu erhalten, auszubauen. Ich kann auf diesem Fundament aufbauen, auf diesen großartigen Beziehungen zu unseren Nachbarn in Europa.“

Aber das heißt, wenn sie so unterschiedlich sind, wird es jetzt laut in Kärnten?
Fellner: „Es wird dann laut, wenn es notwendig ist. Viele kennen mich. Wenn etwas ungerecht ist, dann sage ich das auch sehr direkt und mit aller Klarheit. Und für mich gibt es nur. Die Kärntner Bevölkerung, der ich verpflichtet bin und sonst niemanden. Also keine Parteigrenzen und keine Parteiräson.“

Es liegt in der Natur der Sache, dass Sie mit Ihrem Vorgänger verglichen werden. Wie wollen Sie das verhindern, ständig in diesen Vergleich zu geraten?

Fellner: „Die Frage ist: Muss man das verhindern? In meiner Kindheit bin ich mit meinen Geschwistern verglichen worden, in der Arbeitswelt, mit anderen Mitarbeitern, dann mit anderen Abteilungsleitern, dann vielleicht mit anderen Landesgeschäftsführern. Und wenn ich jetzt verglichen werde mit einer großartigen Politikergrößen wie Peter Kaiser, dann ist das eher eine Ehre für mich. Ich freue mich, wenn ich mit ihm verglichen werde.“

Sie haben wenig Zeit. Die nächste Landtagswahl ist entsprechend dem Rhythmus 2028. Das sind zwei Jahre. Die Zeit vergeht schnell. Welches Ziel verfolgen Sie in diesen zwei Jahren für Kärnten?
Fellner: „Ich habe etwas, das mich sehr beschäftigt. Ich habe den Eindruck, dass ich 1977 einen Lottosechser gemacht habe, als ich in Kärnten geboren wurde. Das ist ein unglaublich tolles Land, und ich habe den Eindruck, dass wir das immer mehr in den Hintergrund rücken, dass viele Menschen unzufrieden sind und ich möchte das Positive vorkehren. Wir können stolz sein auf das, was dieses Land zu bieten hat, wie wir arbeiten, auf alle Menschen, die hier sind. Diesen Stolz zu wecken, das ist etwas, das ich mir vorgenommen habe, weil ich glaube, dass zum Beispiel Wirtschaftspolitik in engem Zusammenhang mit einer positiven Stimmung in Kärnten steht.“

Die ersten Schritte haben Sie schon gesetzt, obwohl noch nicht im Amt. Auch die sachpolitischen Zuständigkeiten werden sich ändern. Sie sind in Zukunft für Integration und das Flüchtlingswesen in Kärnten zuständig. Warum wollten Sie ausgerechnet dieses Referat?
Fellner: „Ich wollte politische Verantwortung dort übernehmen, wo viele Kärntnerinnen und Kärntner der Meinung sind, die SPÖ duckt sich vor diesem Thema weg. Das ist aber nicht so. Dieses Thema beschäftigt so viele Menschen und ich hoffe, dass, so wie ich dieses Thema angehe, die Kärntnerinnen und Kärntner hoffentlich zufrieden sein werden mit mir. Es ist kein Referat, für das man viel Applaus bekommt, aber hier sind einfach klare Regeln aufzustellen. Ich habe Integrations-Kurse zum Teil selbst besucht, um mit den Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen und ihnen klar zu sagen: Das sind unsere Regeln hier in diesem Land. Sie sind aus Kriegsländern geflüchtet. Ich habe dafür Verständnis. Aber dann hat man sich hier so zu benehmen, wie es bei uns üblich ist. Und das gehört klar ausgesprochen, das ist mir persönlich wichtig. Deshalb habe ich ein Referat übernommen, um das sich wahrscheinlich sonst niemand reißt.“

Sie glauben, die Hausordnung, die kürzlich präsentiert wurde, wird reichen?
Fellner: „Nein, ich glaube nicht, dass die Hausordnung reicht. Aber es ist ein erster Schritt. Ich glaube, dass vieles in diesem Bereich künstlich erzeugt wird. Man hat oft den Eindruck, als ob wir von einer großen Anzahl von AsylwerberInnen und Asylwerbern überflutet werden. Aber in Kärnten ist das wirklich anders. Unsere AsylwerberInnen und Asylwerber liegen momentan unter 1.000 und in Summe mit den Vertriebenen aus der Ukraine liegen wir ungefähr bei 2800. Das ist keine so eine massive Anzahl. Und dennoch gibt es immer wieder neue Herausforderungen, die es zu stemmen gilt. Und das möchte ich einfach tun.

Ich fange schon selbst an mit dem Vergleichen, aber nichtsdestotrotz: das Volksgruppenressort wird auch in Ihre Agenden fallen. Was kann sich die Minderheit von Ihnen erhoffen?
Fellner: „Also was die Minderheit in Kärnten sich von mir erhoffen kann, ist, dass ich Zweisprachigkeit als Geschenk erachte, als Schatz. Ich freue mich, wenn jemand im Landtag eine Grußformel auf Slowenisch spricht. Das ist doch etwas Wunderbares. Wir dürfen uns nicht verstecken, was die Verantwortung betrifft. Wir erleben immer mehr Krisen und Kriege. Viele glauben, sie können nichts beitragen, dass es besser wird. Aber Friede beginnt Zuhause, beginnt mit einem respektvollen Miteinander, beginnt im Umgang mit den Nachbarn. Und das beginnt auch im Umgang mit einer Minderheit in einem Land. Das Gemeinsame und das Miteinander als ersten Schritt zu einem friedlichen Leben ist mir sehr, sehr wichtig.“

Wir sind jetzt beim Frieden, der zu Hause beginnt. Sachpolitik spielt sich auch in sozialen Medien ab. Wie werden Sie zum Beispiel gegen viele auch politisch motivierte, gezielte Fake News vorgehen? Wie werden Sie reagieren?
Fellner: „Ich habe letzte Woche eine spannende Zahl gelesen. Es ist darum gegangen, wie viel Zeit investiert der durchschnittliche Österreicher oder die Österreicherin täglich mit Politik. Und ich habe gedacht, wenn wirklich alles zusammengerechnet wird, von Kärnten heute schauen, Zeitung lesen, Gespräche mit den Arbeitskolleginnen, Arbeitskollegen, wird eine halbe Stunde oder eine Stunde am Tag zusammenkommen. Die Wahrheit war erschreckend. Es sind vier Sekunden und ich glaube, dass das eine der größten Herausforderungen der Zukunft ist, Menschen zu motivieren, sich für Politik zu interessieren. Wir verlernen gerade, die Demokratie zu schätzen. Die Welt rückt immer mehr in Richtung Autokratie. Es ist erschreckend, was sich auf dem Globus abspielt. Der Hintergund ist immer gleich: fehlende Information, Falschinformation ganz, ganz, ganz massiv auf den Social Media Kanälen. Aber man muss das Instrument daher auch nutzen, um die Wahrheit verbreiten zu können, um ein anderes Bild der Politik zu zeichnen, um die Lust wecken zu können, dass man sich mehr als 4 Sekunden am Tag mit Politik auseinandersetzt.“

Die Sachpolitik, sagt man immer, ist ein undankbares Geschäft, um einen Wähler anzusprechen. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Wie wollen Sie mit ihren vielen Referaten die Wählerinnen und Wähler ansprechen?
Fellner: „Mir hatte eine große Persönlichkeit aus Kärnten gesagt, Politik ist eine Dolmetschfunktion. Viele sachpolitische Akte mit hunderten Seiten an inhaltsschweren Positionen versuchen, so zu übersetzen, dass es die Kärntnerinnen und Kärntner auch interessiert, dass es spannend wirkt, denn es betrifft sie diese Arbeit ja direkt. Das ist eine Aufgabe, der ich mich stellen werde. Ein Beispiel: Wir haben vor einigen Wochen präsentiert, wo unsere Schi-Olympiasieger der Zukunft ausgebildet werden. In Spital entsteht ein modernes Sport-Leistungszentrum. Hätten wir das Thema anders verpackt, hätten wir drum herum anders kommuniziert, hätten wir vielleicht wochenlang stolz davon gesprochen, dass in in Kärnten, in Spittal, etwas Großartiges entsteht. So waren es wenige Zeilen in einer Zeitung.“


Die Sachpolitik hat ihre Tücken, was die Abgrenzung zum Koalitionspartner betrifft. Sie müssen gemeinsam auftreten. Wie werden Sie die Koalition, Ihre Arbeit, prinzipiell anlegen und trotzdem ein eigenes Profil erarbeiten?
Fellner: „Es liegt in der Natur der Politik, dass man unterschiedliche Positionen vertritt, dass man unterschiedliche Ziel-Gruppen vertritt. Wir haben ein respektvolles Miteinander mit dem Koalitionspartner, vor allem mit Martin Gruber, ich würde fast sagen ein freundschaftliches. Wir arbeiten gerne zusammen, wir arbeiten gerne an Lösungen. Und auch wenn ab und zu die Wege unterschiedlich sein werden, das Ziel eint uns dann immer. Dann geht man einmal den Weg in diese Richtung und einmal in die andere. Aber immer so, dass Kärnten vorwärts kommt.“


Aber Daniel Fellner muss irgendwie erkennbar sein.
Fellner: „Darauf können Sie sich verlassen, dass die Erkennbarkeit gegeben sein wird. Aber das hat auch etwas mit der Lust, Politik mehr wahrzunehmen, zu tun. Vielleicht wird man die eine oder andere Entscheidung oder die unterschiedlichen Positionen anders erklären und sichtbar machen, wie ein Kompromiss entsteht? Man muss das nicht immer in Gemeinsamkeit und Einheit präsentieren, sondern man könnte die unterschiedlichen Zugänge kommunizieren und sich dann auf den Kompromiss einigen. Und das unser Alltag. Das ist auch in der Familie so, dass man sich auf Kompromisse einigt.“


Es hat schon einen dieser Kompromisse medienwirksam gegeben, nämlich die Reformen in der Landesregierung. Seit 20 Jahren werden Reformen versprochen, seit 20 Jahren werden Einsparungen versprochen. Warum sollte man ihnen jetzt Glauben schenken?
Fellner: „Nun, leider bin ich noch nicht 20 Jahre in dieser verantwortungsvollen Position, aber es gibt einfach das Engagement und den Willen beider Koalitions-Partnern, etwas zu tun. Eir haben allein in der Landesregierung Erlässe, die sind 50, 60 Jahre alt. Wir werden einen Frühjahrsputz machen. Wir schauen uns Papier für Papier an, was brauchen wir noch, was brauchen wir nicht mehr? Das wird diesem Haus guttun. Das wird der Wirtschaft gut tun. Aber das wird auch den Kärntnerinnen und Kärnten gut tun.“

Wie gesagt, das hätten wir schon lange.
Fellner: „Verlassen Sie sich darauf, dass ich das mit sehr viel Leidenschaft verfolgen werde. Und ich glaube, dass ich hier auch für Martin Gruber spreche.“
Was wäre Ihnen das Wichtigste, dass in ihrem Amt als Landeshauptmann die Menschen berührt? Was soll von Ihnen als Landeshauptmann - mit einem Satz - die Bevölkerung sagen können?

Fellner: „Wenn die Menschen sagen, der hat das Herz am rechten Fleck und ist immer bereit, zuzuhören. Auch wenn Maßnahmen einmal wehgetan haben, er ist immer da und hört zu, nimmt die Sorgen und Ängste ernst und entfacht ein Feuer.“

Jetzt kommen die kurzen Fragen mit kurzen Antworten.
Fellner: „Das sind immer die Schlimmsten.“

Was wünschen Sie sich persönlich fürs neue Amt - wirklich Persönlich?
Fellner: „Ich würde mir wünschen, dass, und das hat auch etwas mit Social Media zu tun, die Menschen mich als Mensch wahrnehmen und nicht nur als als Politiker. Dass sie versuchen, mich kennenzulernen, mich nach meiner Arbeit beurteilen und nicht einfach nur drauflos schreien oder schimpfen.“

Wovor haben Sie großen Respekt?

Fellner: „Vor der geopolitischen Lage, vor all den Menschen, die sich in Europa für ein starkes Europa einsetzen. Das ist die einzige Antwort auf diese geopolitischen Entwicklungen. Unsere Urgroßväter, Großväter haben für ein ungeteiltes Kärnten gekämpft. Ich glaube, dass wir jetzt für ein geteiltes Europa kämpfen müssen.“

Was wollen Sie ihren Söhnen mit auf den Weg geben?
Fellner: „Ich würde Ihnen gerne etwas mitgeben, was ich von Peter Kaiser gelernt habe: Gesundheit ist das Wichtigste und alles andere kann man sich, wenn man will, erarbeiten. Und dass man dafür etwas tun muss, für das eine wie für das andere. Das ist etwas, das ich meinen Söhnen mitgeben möchte.“


Wie sportlich sind Sie?
Fellner: „Ich bin so sportlich, wie es die Zeit zulässt. Ich bin gerne am Berg. Und ich bewege mich für meine Gesundheit. Und ich bin natürlich sportbegeistert in mehreren Facetten.“

Sind Sie gläubig? Ja. Was wollten Sie als Kind werden?
Daniel Fellner: „Astronaut. Diesen Wunsch habe ich in der Volksschule abgelegt. Dann wollte ich Polizist werden. Das habe ich zielstrebig verfolgt und mich bei der Polizei beworben, bin über einige Monate hinweg nicht drangekommen und habe dann beim Roten Kreuz begonnen als beruflicher Rettungsfahrer. Ich habe zwei Wochen beim Roten Kreuz gearbeitet. Dann habe ich Einberufung zur Polizei bekommen, die habe ich dann abgelehnt, weil ich beim Rote Kreuz mein Hobby zum Beruf machen konnte.“
Was ist das Lieblingsessen, das die Mama kocht?
Fellner: „Es ist so typisch, aber es sind die Käsnudeln. Mit Salat und viel geschmolzene Butter.“

Was wollen Sie unbedingt vermeiden im Leben? Generell nicht nur im politischen Amt.
Fellner: „Ich möchte vermeiden, dass ich Konflikte in persönlichen Treffen habe, die so sind, dass man sich nicht mehr in die Augen schauen kann, dass man mit einer Person kein Wort mehr wechseln möchte, das würde ich gerne mein ganzes Leben vermeiden können.“

Was macht Ihnen richtig Spaß?
Fellner. „Richtig Spaß macht mir, wenn ich mit meiner Familie segeln gehen kann.“

Und welchen Wunsch können Sie Ihrer Frau auf keinen Fall abschlagen?
Fellner: „Ich kann meiner Frau gar keinen Wunsch abschlagen.“