Hilfe für Friaul (Teil 2)
Zwischen Trümmern, Staub und Verzweiflung beginnt unmittelbar nach dem Beben die nächste Phase: Suchen, Bergen, Aufräumen. Während internationale Hilfe eintrifft, kommt Unterstützung auch aus dem Norden – aus Österreich, aus Kärnten.
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Erdbeben in Friaul
06. Mai 1976 – Teil 2
„Der Wiederaufbau“
Zwischen Trümmern, Staub und Verzweiflung beginnt unmittelbar nach dem Beben die nächste Phase: Suchen, Bergen, Aufräumen. Während internationale Hilfe eintrifft, kommt Unterstützung auch aus dem Norden – aus Österreich, aus Kärnten.
Erich Stocker (Zeitzeuge Berufsfeuerwehr Klagenfurt)
Wir haben dann einen Hilfszug eben zusammengestellt, mit allen was wir eben brauchen, von Hubsteiger, Kran, Tankwägen, Ladegeräten, LKW.
Zeitzeuge Paul Platzer (Feuerwehr Villach)
In erster Linie für die Feuerwehr war die Wasserversorgung. Und wie wir dann hinuntergefahren sind, beim ersten Mal, da haben wir halt gesehen, unglaubliche Schäden von den Häusern, was man früher eigentlich nur vom Fernsehen gekannt hat.
Auch das Bundesheer war schnell zur Stelle. Villacher Pioniere sichern Wege, errichten Brücken und schaffen neue Verbindungen. Doch die Arbeit bleibt gefährlich, Nachbeben erschüttern die Region immer wieder.
Gert Eggenberger (Pressefotograf)
In Majano, war im Gemeindeamt eine Pressekonferenz und als wir fertig waren, da sind wir alle hinaus ins Freie und eine halbe Stunde später ist dann ein Nachbeben gekommen und das Gemeindeamt ist zusammengerumpelt.
Flavia Virilli (Vizebürgermeisterin Gemona)
Die Hilfe aus Österreich, besonders aus Kärnten, war mit großer Dankbarkeit aufgenommen. In Gemona erinnern sich viele bis heute daran, dass das erste Brot aus Velden schon um 7 Uhr morgens ankam.
Gertraud Lunacek (Bäckerei Lunacek Velden)
Ich habe mich dann mit dem Bürgermeister Petritsch in Verbindung gesetzt, habe ihn gebeten, er möchte unten anrufen und sagen, dass ich am nächsten Tag am Vormittag mit einer Brotlieferung hinunterkomme.
Zehntausende Menschen mussten rasch in notdürftigen, aber sicheren Unterkünften untergebracht werden.
Hellwig Valentin (damaliger Leiter Landespressedienst)
Es wurden Fertigteilhäuser nach Friaul geliefert, Hunderte insgesamt. Alle Institutionen haben sich hier in diesem Rahmen beteiligt, auch das Land Kärnten.
Nur drei Monate später verschärfte sich die Lage dramatisch, als weitere schwere Erdstöße die Region erneut verwüsteten und ein früher Wintereinbruch die Situation zusätzlich belastete. In der Folge setzte eine Abwanderung ein, zahlreiche Betroffene wurden provisorisch an der oberen Adria untergebracht.
Hellwig Valentin (damaliger Leiter Landespressedienst)
Spontan haben zahlreiche Kärntnerinnen und Kärntner sich bereit erklärt, Erdbebenopfer, die ihr Dach über den Kopf verloren haben, bei sich kostenlos für einige Zeit aufzunehmen.
Die Erinnerung an die verheerende Erdbebenkatastrophe von 1976 und die damals gelebte grenzüberschreitende Solidarität wirkt bis heute nach. Sie hat nicht nur die enge Zusammenarbeit zwischen den Regionen nachhaltig gestärkt, sondern bildet auch die Grundlage für kontinuierliche gemeinsame Katastrophenschutzübungen und ein lebendiges Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.