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11. Februar 2024

Expertentalk mit Bruno Arendt

Kärntner Faschingspräsident

Kärntner Faschingspräsident

Transkript

Hallo und herzlich willkommen zum heutigen Expertentalk, dieses Mal mit Bruno Arendt. Er ist der Landespräsident des Bundes Österreichischer Faschingsgilden und damit der Chef der Kärntner Narren. Herr Arendt, Kärnten und der Fasching sind untrennbar miteinander verbunden. Es gibt sehr viele Gilden, sehr viele Narren in Kärnten. Was bedeutet der Fasching für Kärnten und für seine Bevölkerung beziehungsweise für Sie ganz persönlich?

Also Chef ist einmal übertrieben, ein Chief kümmert sich eigentlich um die finanziellen Dinge und das mache ich überhaupt nicht. Ich ziehe den roten Faden durch das Land und die Gilden halten sich in etwa danach. Aber finanzielle Abwicklungen, das macht jede Gilde für sich. Der Fasching ist ein ganz ein wichtiges Ereignis in Kärnten. Wir haben ja 54 Gilden, eigentlich 55 Gilden, das ist der größte Anteil, wenn man die Bundesländer vergleicht, weil wenn ich denke, Tirol, Salzburg zusammen haben sechs, Wien, Burgenland haben acht oder neun, und wir haben 54 oder 55. Ich sage, einer ist ein Theaterverein, der will auch Theaterverein bleiben, die Bleiburger, aber sonst sind sie eigentlich alle organisiert im BÖF und wenn ich denke, in Eisenkappel, das ist ja nicht gerade das Zentrum der Bevölkerung, haben wir zwei Gilden. Es ist eines der ältesten Vereine, die „Zarja“, die eine eigene Abteilung Fasching haben und die „Kappler Narren“, also in so einem kleinen Ort zwei Gilden, das hat schon eine Bedeutung. Und das zieht sich eigentlich durch ganz Kärnten. Wir haben wirklich eine, eine phantastische Situation, wenn man das aus Faschingsseiten sieht.

Seit wann gibt es den Fasching, wie wir jetzt kennen?

Den Fasching, das zieht sich schon lange, eigentlich aus dem elften Jahrhundert, weil der Name Fasching, der hat sich entwickelt aus „Fastenschank“ und „Fastnacht“. Das ist der eigentliche Faschingsdienstag. Das war der letzte Tag, wo Alkohol ausgeschenkt wurde oder ausgeschenkt werden durfte vor den 40 Tagen Fastenzeit. Wenn Sie jetzt nachrechnen, bis Ostern sind nicht 40 Tage, sondern 46, der Sonntag wurde nicht mitgerechnet - den haben sie, irgendwann haben sie was essen müssen, ich sage, da hat sich eben diese Bezeichnung „Fasching“ herauskristallisiert, die aber nur in Österreich verwendet wird. Weil im Grunde, Resteuropa oder Brasilien, überall heißt es „Karneval“, hat aber den gleichen Ursprung mit der Fastenzeit „Carne“ = „Fleisch“ und „Wal“ = „Auf Wiedersehen“ - also Ende der Fleischesserei war es und praktisch so ist es auch wieder die Fastenzeit, wann wir dort hinkommen.

Da haben wir wieder was dazugelernt. Wie ist der Fasching in Kärnten beziehungweise in Österreich organisiert? Wie kann man sich das vorstellen?

Das ist so, wir sind eben 54 Gilden, die sich jährlich ein paar Mal treffen, untereinander verbunden sind und gemeinsam die wichtigste Aufgabe am 11.11. abwickeln, wo der Fasching geweckt wird. Das ist aber nicht, wie es fälschlicherweise bezeichnet wird, der Beginn des Faschings, sondern rein das Faschingswecken. Gott sei Dank sind wir heute so weit, dass der Landeshauptmann das anerkannt hat, er übergibt dem Landesprinzenpaar, dem neuen oder dem zukünftigen, den Landesschlüssel, das Landeszepter und ernennt auch eine Faschingslandeshauptstadt. Jedes Jahr eine andere, heuer ist es Feldkirchen, Nächstes Jahr wird es dann bald Sankt Leonhard sein.

Gerade jetzt, in den Zeiten vieler Krisen, die auf die Menschen hereinprasseln beziehungsweise mit denen sie leben müssen, unter anderem der Krieg in der Ukraine, Israel und der Gazastreifen ist auch Kriegsschauplatz. Viele Menschen fragen sich, was gibt es da zu lachen – wie würden Sie das beurteilen?

Da kann ich eigentlich nur den Bischof, seine Aussage wiederholen, der gesagt hat, es darf nicht Fasching gefeiert werden, es „muss“ - und ich glaube, er sieht es ganz richtig, weil Krieg ist immer irgendwo. Und wenn man dann nicht feiern darf, dann könnte man praktisch nie mehr feiern. Weil wenn ich denke, anscheinend werden die Leute nicht gescheiter. Es ist immer irgendwo ein Wirbel, es werden Waffen produziert noch und nöcher und anscheinend müssen die auch irgendwo verbraucht werden. Leider. Und ich sage, mir ist jeder Faschingsumzug lieber als ein Militäraufmarsch! Wir schießen mit Lametta und nicht mit Kanonen. Und ich glaube, das ist wichtig.

Keine Faschingssitzung ohne Witzefeuerwerk - gibt es einen Witz, einen Schmäh, den sie besonders nett, lieb, lustig finden?

Ja, ich habe gerade einen gehört, vorgestern, ich bin eigentlich kein guter Witzeerzähler, aber der ist mir hängen geblieben, weil a) weil er gerade zu Kärnten recht gut passt: Das sitzen zwei Damen im Bus und unterhalten sich. Dann sagt die eine: „Ich habe gestern in der Früh einen Wolf gesehen auf dem Weg zur Arbeit!“ Die andere schaut sie an und sagt „Wieso weißt du, dass der am Weg zur Arbeit war?“

Danke, Bruno Arendt, mit diesem Rausschmeißer, mit diesem Witz! Ihnen danke ich fürs Zusehen, ich würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind. Wir wünschen Ihnen bis Faschingsdienstag eine schöne und lustige Faschingszeit!

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