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17. März 2024

Expertentalk mit Florian Schmidt

Verification Officer, APA Faktencheck

Verification Officer, APA Faktencheck

Transkript

Hallo und herzlich willkommen zum heutigen Expertentalk. Dieses Mal haben wir zu Gast Florian Schmidt. Vergangene Woche wurde der AI Act, also Artificial Intelligence Act im Europäischen Parlament verabschiedet. Das ist mit unter ein Grund, warum wir Florian Schmidt zu uns eingeladen haben.

Herr Schmidt, der Begriff Fakenews grassiert ja schon seit längerem in der Gesellschaft. Was ist das genau und wo kommt der Begriff her? Was versteht man darunter?

Also der Begriff Fakenews ist eigentlich schon ziemlich alt, nämlich mehrere Jahrzehnte, kommt aus dem englischsprachigen Raum und hat dort immer mehr an Bedeutung gewonnen. Gerade so in den 2000 Jahren und vor allem auch im Wahlkampf von Donald Trump in den USA ist das natürlich ein geflügelter Begriff geworden.

Den Begriff selbst verwende ich jetzt persönlich selbst nicht so gerne. Ich spreche eher von Falschinformationen, weil Fakenews müssen nicht unbedingt 100 % Fake sein, sie müssen auch keine News sein. Insofern ist Falschinformationen vielleicht ein besserer Begriff, aber unter Fakenews versteht man vor allem in der Bevölkerung heutzutage alles, was irgendwie an Missinformation unterwegs ist.

Wo muss ich im Alltag damit rechnen, dass mir falsche Nachrichten, Fakenews oder wie auch immer man das nennen mag, begegnen, bzw. gibt es vielleicht Möglichkeiten diese tatsächlich auch zu erkennen?

Also Desinformation und Falschinformationen können eigentlich überall einem unterkommen. Da kann man sich gar nicht wirklich schützen. Natürlich kann man sich irgendwie mehr davon bewahren, wenn man jetzt nicht gezielt Gruppen sucht, die eher wissen wissenschaftsfeindlich unterwegs sind zum Beispiel, sondern eher gesicherte Informationen vertrauen. Man kann auch klassischen Journalismus verfolgen, wo man weiß, die Journalisten arbeiten nach gewissen Kriterien der Qualitätssicherung. Dann kann ich mir schon sehr viel von Desinformation ersparen.

Als einfacher Nutzer oder Surfer im Internet gibt es da Werkzeuge, Möglichkeiten, wie ich tatsächlich Bilder, die möglicherweise durch KI generiert wurden, erkennen kann oder Videos oder Texte?

Auf jeden Fall. Es gibt sehr viele Tools und Werkzeuge, die ich selber verwenden kann. Das heißt, ich muss gar nicht unbedingt Journalisten trauen, sondern ich kann selber Sachen überprüfen. Ich kann zum Beispiel eine Foto-Rückwärtssuche machen mit verschiedenen Anbietern, mit Google oder TinEye, wo ich mir anschauen kann, wann ist ein Bild das erste Mal im Internet veröffentlicht worden und hat es vielleicht einen komplett anderen Kontext als jetzt behauptet wird, in einen neuen Zusammenhang? Da kann ich wirklich sehr viele Fakes innerhalb von zwei Minuten aufdecken.

Woran kann ich möglicherweise auch mit freiem Auge leicht erkennen, dass Bilder gefaked sind oder nicht der Realität entsprechen?

Ja, auch bei KI Bildern derzeit ist es noch möglich, dass man immer optische Auffälligkeiten entdeckt. Man kann zum Beispiel die Finger zählen. Das ist das, was am meisten bekannt ist. Das wird mittlerweile schon schwieriger. Aber ich kann immer noch auf verschwommene Bildstellen achten.

Ich kann mir anschauen, ob irgendwelche Accessoires beim Menschen vielleicht falsch generiert worden sind, zum Beispiel Ohrringe oder Brillen. Da kann man noch sehr viel Visuelles finden. Und wenn das mal nicht mehr funktioniert, dann kann ich mir noch immer Fragen zum Kontext stellen. Zum Beispiel: gibt es andere Aufnahmen von dieser Situation, die ich vielleicht finden kann? Gibt es Augenzeugen, die ich fragen kann?

Gibt es offizielle Quellen?

Abschließend noch eine Frage. Verification Officer - wie verbreitet ist diese Funktion, diese Arbeit in der Medienbranche? Gibt es jetzt nur bei der Austria Presse Agentur oder gibt es möglicherweise in anderen Medienhäuser ähnliche Jobs und Personen, die das ausfüllen?

Ja, also es gibt auf jeden Fall bei der Deutschen Presse Agentur auch einen Verification Officer, mit dem ich gut vernetzt bin, der Stefan Voß. Aber der Berufstitel selbst ist eigentlich sehr selten, weil man dafür einen eigenen Experten braucht für den Bereich Bild und Video Verifikation oder auch generell Fact Checking und Online Recherche. Und da gibt es leider noch nicht so viele Teams, die da extra gebildet worden sind, nämlich vor allem nur bei der APA.

Eingangs habe ich den AIA seitens des Europäischen Parlaments erwähnt. Gibt es dazu jetzt schon was zu sagen? Das muss natürlich jetzt von den Menschen, die mit leben müssen, also alle Europäerinnen und Europäer, die in der EU leben, gesichtet werden. Können Sie jetzt schon etwas dazu sagen, was das beinhaltet?

Grundsätzlich ist der AIA Act einfach ein Versuch, dass man transparente Grundsätze für die Verwendung von jeglicher Art von künstlicher Intelligenz im Internet schafft.

Wie sich das auswirkt, wird man erst in den nächsten zwei Jahren sehen, weil dann tritt er erst in Kraft und bis dahin müssen sich alle quasi daran anpassen. Also das wird auf jeden Fall sehr spannend.

Danke Florian Schmidt für diese Einblicke in die digitalisierte Welt. Ihnen danke ich fürs Zusehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind.

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