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23. November 2023

Expertentalk mit Gernot Nischelwitzer

Obmann der Zentralpersonalvertretung des Landes Kärnten

Obmann der Zentralpersonalvertretung des Landes Kärnten

Transkript

Hallo und herzlich willkommen zum Expertentalk - heute mit Gernot Nischelwitzer, Obmann der Zentralpersonalvertretung des Landes Kärnten und damit der oberste Personalvertreter von mehr als 3.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Amt der Kärntner Landesregierung. Vergangene Woche ist ihm von Seiten der Kärntner Landesregierung auch das Goldene Ehrenzeichen, also das Große Goldene Ehrenzeichen, verliehen worden. Zwölf Jahren üben Sie diese Funktion aus. Am 30.11. wird der letzte Tag sein. Was ist für Sie das ganz oder für Sie ganz persönlich das Schöne und Tolle an diesem Job, an dieser großen Aufgabe gewesen?

Also ich bin jetzt mehr als 32 Jahre im Landesdienst, habe sehr vieles erlebt im positiven Sinne, natürlich auch einiges im negativen Sinne. Und seit zwölf Jahren bin ich Obmann der Zentralpersonalvertretung und das war für mich eigentlich persönlich, ist eigentlich wirklich eine Befriedung, wenn man Kolleginnen und Kollegen helfen hat können, wenn man sich für sie einsetzen zu können, im Großen als gesamte Gruppe Einzelgruppeninteressen auch natürlich vertreten und natürlich auch Menschen helfen können. Kolleginnen und Kollegen, wenn sie einzelne Probleme gehabt haben. Nicht alles ist lösbar gewesen. Muss man ehrlich gesagt eingestehen, aber im großen Ganzen die Hilfe zu geben, das war Befriedigung. Und wenn die Leute das auch so wahrgenommen haben.

Was waren Ihrer Meinung nach die großen Meilensteine, die Sie erreicht haben, gemeinsam mit Ihrem Team?

Also wir sind vor der großen Herausforderung gestanden. Es ist von meinem Vorgänger leider die Pragmatisierung abgeschafft worden. Er hat damals seine Zustimmung für eine Gehaltserhöhung gegeben, die minimalst war. Wir haben es geschafft, dass wir jetzt ein System haben, das merkbar ist. Wir haben die Vergleiche mit anderen Bundesländern gemacht, speziell mit der Steiermark. Wir sind bis auf drei kleine Gruppen überall weit besser, zum Teil weit besser, also bis über 1.000 € besser. Wir sind in der Erhaltung bestimmter Rechte wie zum Beispiel der 28 Urlaubstage gleich geblieben. Im Burgenland wurde es mit der Bildungsreform abgeschafft. Wir haben es geschafft, etwas Einzigartiges hineinzuverhandeln. Dass die Kolleginnen und Kollegen nach zehn bzw. weiteren 15 Jahren unter Voraussetzung bestimmter Dinge in die höheren Einkommensklassen kommen können. Das heißt also Beförderungen bekommen, so wie im alten Beamtenschema. Das ist also etwas, was wir erreicht haben. Wir haben gleichzeitig ein sehr frauen- und familienfreundliches Dienstrecht Landesvertragsbedienstetengesetz im Rahmen der Gesetzgebung bzw. von Verordnungen erlassen, geschafft, was Frauen es erleichtert bei uns zu arbeiten. Wir haben die Möglichkeit zu einer Vier-Tage-Woche. Zum Teil ist ja auch umgesetzt im Straßenbaubereich, was wir nicht ganz geschafft haben, das war natürlich, dass wir eine weitere Arbeitszeitverkürzung bekommen haben, aber das steht noch weiterhin auf der Agenda der Personalvertretung und wir haben ein neues Personalvertretungsgesetz gemacht, das viele Rechte genauer definiert. Mit der Personalvertretung. Es war ursprünglich sehr schwammig, stammt aus dem Jahr 1976 und wir haben es konkretisiert. Es gibt also hier viel mehr Rechte der Personalvertretung mit der Mitsprache. Und ich denke, im Großen und Ganzen war es auch eine Leistung nicht nur der Zentralpersonalvertretung wieder mehr Gewicht in diesem Land zu geben, sondern auch das Selbstvertrauen der Kolleginnen und Kollegen als Landesbedienstete zu stärken, dass sie gute Arbeit leisten und dass sie mit Selbstbewusstsein hineingehen können in die Arbeit und dort ihre Leistungen vollbringen können.

Sehr viel ist in der Vergangenheit mit ihnen und durch sie gelungen. Welche Herausforderungen kommen auf die Personalvertretung in Zukunft zu, Ihrer Meinung nach?

Also man muss etwas sagen. Diese Modell stellen. Systematik muss natürlich laufend überarbeitet werden. Das ist keine statische Geschichte. So wie das alte Gehaltsschema der Beamten und der Vertragspartner ist, sondern es ist eine neue Herausforderung, muss ständig überarbeitet werden. Es wird im Rahmen der Digitalisierung natürlich auch neue Definitionen von Arbeitsplätzen geben müssen, die sozusagen aufgelistet werden müssen. Das sind die großen Herausforderungen und natürlich auch die Gehaltserhöhungen, die künftigen. Da muss man schon darauf schauen, dass die Landesbediensteten nicht schlechter fahren als andere in anderen Bundesländern bzw. im Bundesdienst. Und natürlich wird eine große Frage werden die Vier-Tage-Woche für alle Landesbediensteten inklusive einer 32-Stunden-Woche, damit man auch hier familien- und frauenfreundlich vorgeht. Und mit dieser 32-Stunden-Woche habe ich die große Hoffnung, dass Frauen, die derzeit immer wieder auch bei uns von Altersarmut bedroht sind, weil sie in Teilzeit arbeiten müssen, dass sie dann, wenn sie in Vollzeit beschäftigt sind, mit 32 Stunden sein können, dass sie dann nicht in die Altersarmut abrutschen, auch darauf muss man ein großes Auge haben.

Sehr viel ist noch zu tun. Vielleicht eine persönliche Frage zum Abschluss. Sie treten mit 1. Dezember in den Ruhestand über. Was werden Sie in dieser Zeit tun? Wie werden Sie Ihre Zeit verbringen?

Also, es gibt genug Hobbys. Ich habe auch einen Hund, der sich freut, dass ich den ganzen Tag mit ihm verbringen werde. Ich werde natürlich das machen, was viele in der Pension machen - Sport weiterhin, um gesund zu bleiben. Aber ich habe auch ein Projekt im Auge, das ich etwas der Gesellschaft zurückgeben möchte, weil mir ist es gut gegangen. Ich habe das Glück gehabt, dass es mir gut geht, dass ich eigentlich gut verdient habe, dass ich keinen sozialen Abstieg gemacht habe.

Und da habe ich mir überlegt, ob ich hier beim Vinzibus mitfahren kann, Essensausgaben machen kann für Obdachlose oder im Verein “2gether” mitarbeiten kann, der als Sozialverein auch sozial schwachen Familien hilft. Weil ich glaube, das ist auch etwas, was das persönliche Karma ausmacht, dass man sagt okay, ich hole mir auch nicht nur die Bestätigung durch den aktiven Dienst und dass ich etwas gut verdient habe, sondern es geht auch darum, dass man der Gesellschaft etwas zurückgibt. Jenen Menschen, die nicht das Glück gehabt haben, die vielleicht in den einem oder anderen Fall sogar durchaus unverschuldet in diese Falle hineingeraten sind, dass man denen helfen kann. Und ich denke mir, dass sollten sich auch andere überlegen. Es gibt genug Möglichkeiten in vielen Sozialereinen mitzuarbeiten und das ist eine Herausforderung, der ich mich dann gerne stellen werde.

Diese Menschen brauchen wirklich jede Hilfe. Dankeschön. Danke für den Einblick in die Arbeit der Zentralpersonalvertretung bzw. in ihre Karriere. Ihnen danke ich fürs Zusehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind.

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