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18. Februar 2024

Expertentalk mit Herwig Zessar

Stv. Leiter der Abteilung 12 - Wasserwirtschaft

Stv. Leiter der Abteilung 12 - Wasserwirtschaft

Transkript

Hallo und herzlich willkommen zum heutigen Expertentalk. Dieses Mal mit Herfried Zessar, er ist der stellvertretende Abteilungsleiter - im Amt sagen wir Abteilung 12 - wirklich heißt es Wasserwirtschaft und er ist auch für die Wasserversorgung in Kärnten zuständig beziehungsweise weiß hier bestens Bescheid. Herr Zessar, die sichere und ständige Versorgung mit Trinkwasser ist sehr wichtig, also Wasser ist Leben. Wie sieht es in Kärnten mit der Infrastruktur des Wassers aus beziehungsweise

mit der Wasserversorgung grundsätzlich?

Herzlichen Dank für die Einladung. Die Wasserversorgung in Kärnten ist eigentlich relativ klein strukturiert, wenn man von dem derzeitigen Zustand ausgeht. Man kann sagen, dass rund 94 % der Kärntner Bevölkerung an öffentliche Wasserversorgungsanlagen, also sprich Gemeinden, Verbände oder Genossenschaften angeschlossen sind. Die haben die Aufgabe, diese Anlagen zu errichten, den Werterhalt sicherzustellen und den Betrieb dieser Anlagen durchzuführen, um vielleicht zwei Zahlen zu nennen um das Ganze etwas besser zu veranschaulichen, also es wurden seit 1960 rund 5000 Kilometer Wasserleitung errichtet und an Investitionen rund 520 Millionen getätigt. Also man sieht, es ist sehr viel passiert seit 1960. Wenn man vielleicht diese Zahl 5000 noch etwas veranschaulichen möchte, man könnte Österreich zweimal umrunden mit dieser Wasserleitung, also hier ist schon sehr viel erfolgt. Natürlich muss man auch in die Zukunft blicken, wie wir wissen. Klimawandel wird auch nicht spurlos an Kärnten vorbeigehen. Die ersten Auswirkungen sind natürlich schon bemerkbar.

Gerade bei der Wasserbilanz sind diese mittlerweile schon ersichtlich. Speziell sind schon die Quellschüttungsmessungen messbar, die Rückgänge dabei. Die Grundwasserneubildung ist auch

nicht mehr in 100 % gegeben. Dadurch hat sich das Land Kärnten mit entsprechenden Wasserversorgungen der einzelnen betroffenen Regionen zusammengetan und haben in den letzten Jahren Machbarkeitsstudien erstellt, welche zum Zweck hatten, Maßnahmen herauszufinden, wie sozusagen den einzelnen Auswirkungen, hier speziell dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Sie haben gesagt, die Wasserstruktur beziehungsweise die Wasserverbände sind kleinstrukturiert in Kärnten. Was hat das mit dem Wasserverband Kärnten auf sich? Gibt es den? Wird er gegründet? Was soll der machen? Was soll er bewirken?

Der Zweck des Wasserverbandes Kärnten war eigentlich die Sicherstellung einer krisensicher Wasserversorgung und hier einmal speziell für den Zentralraum. Was ist der Zentralraum? Der Zentralraum beinhaltet einmal die vier Bezirkstädte Klagenfurt, Villach, Feldkirchen und Sankt Veit und deren Umlandgemeinden. Also man kann hier circa von rund 35 bis 40 Gemeinden sprechen. Der Verband selber soll gegründet werden durch die Städte Klagenfurt, Villach, Feldkirchen und Sankt Veit, wobei aber die Stadt Klagenfurt durch die Stadtwerke AG vertreten wird. Die Aufgabe des Verbandes wird es sein, die Transportleitungen zwischen den Städten zu errichten, damit dann sozusagen die Umlandgemeinden sozusagen an diese Transportleitung anschließen können und sozusagen im Krisenfall zum Beispiel aus dieser Transportleitung Wasser beziehen zu können. Es werden aber hier umfangreiche Maßnahmen getätigt werden in den nächsten, ja, schätzomativ, 17 Jahren wahrscheinlich.

Es wird vielleicht sogar länger dauern, weil Behörden, Verfahren, Ausschreibungen und Bauzeiten natürlich etwas variieren können. Aber die Maßnahmen, die diese Tätigkeiten umfassen, das sind circa 100 Kilometer Wasserleitung, die zwischen den vier Städten errichtet werden, und es werden hier Investitionen von rund 130 Millionen € getätigt werden. Natürlich ist es immer eine Frage der Finanzierung, wie man solche Riesenprojekte finanzieren kann. Die ist dadurch gegeben, dass es sich hier in der Wasserversorgung eine Bundes- und Landesförderung gibt und zusätzlich noch das Land Kärnten eine Beitragsförderung für den Ausbau dieser Schiene zur Verfügung stellt. Die restlichen Mittel werden nur durch den Verband selbst aufgebracht. Aber wir haben im letzten Jahr einen Businessplan erstellt für den Wasserverband Kärnten, der genau sozusagen durchgerechnet hat, wie die Finanzierung erfolgen soll. Und es hat sich gezeigt, dass mit diesen Maßnahmen, sozusagen mit dem Verkauf des Wassers, mit dem Bezug des Wassers die Wasserschiene finanzierbar ist.

Wasser ist nicht gleich Wasser. Vergangenes Jahr, speziell im August, hat es ja große Regenfälle gegeben, dadurch große Mengen an Oberflächenwasser. Gerade in Krisenzeiten ist es ja wichtig, dass die Menschen auch mit Trinkwasser versorgt werden. Welche Vorkehrungen wurden hier getroffen beziehungweise müssen getroffen werden um diese Garantie, diese Trinkwassergarantie abgeben zu können?

Ja, die Krise hat ja meistens unterschiedliche Ursachen. Also wenn man zum Beispiel jetzt hernimmt Trockenheit wie man gesehen hat, wir haben in den Sommermonaten relativ lange Trockenphasen, dadurch kann es schon sehr stark zu Rückgängen bei den Quellschüttungen kommen oder bei der Grundwasserneubildung. Eine weitere Ursache haben wir speziell im Jahr 2023 gesehen, das waren die Unwetter. Hier kann es durch die Unwetter zu Zerstörung oder zur Verschmutzung von Brunnen und Quellen oder auch von Hochbehältern oder Rohrleitungen kommen, welche natürlich auch für die Wasserversorgung relevant sind. Oder ein dritter Punkt wäre zum Beispiel ein regionaler, ein überregionaler Stromausfall, der sozusagen den Betrieb dann einer Wasserversorgungsanlage einschränken könnte. Zur Maßnahme Trockenheit und Unwetterschäden ist diese angesprochene Wasserverband natürlich mit der Vernetzung der einzelnen Wasserversorger sozusagen eine Maßnahme, um diesen zwei Ursachen entgegenzutreten. Dadurch könnte man sozusagen durch den Ausfall einzelner Wasserversorgungsbereiche durch das Einspeisen aus anderen Bereichen sozusagen die Wasserversorgung großteils wiederherstellen. Zu 100 % wird es wahrscheinlich ursprünglich nicht gehen, sondern es wird dann erst im Laufe der Zeit dann wieder möglich sein. Im Falle der Stromausfalls oder Blackout ist immer hier sozusagen das Thema. Wir gehen eigentlich davon aus, dass ein regionaler Stromausfall kaum Auswirkungen wird haben, weil die meisten Wasserversorger bereits ihre relevanten Brunnen mit Notstromaggregate ausgestattet und damit die Versorgung sicherstellen können. Eine weitere Gegebenheit ist, dass das Land topographisch so aufgebaut ist, dass die Quellen und Hochbehälter höher als die Versorgungsgebiete liegen und dadurch sozusagen das Wasser frei in die Häuser ein, also fließen kann. Damit sozusagen ist eigentlich die Versorgung sehr gut in Kärnten gesichert. Man sieht, dass wir in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten eine Menge Maßnahmen umsetzen werden, um sozusagen der Kärntner Bevölkerung eine gewisse Versorgungssicherheit zu bieten.

Danke, Herfried Zessar, für diese Einblicke in die Wasserversorgung in Kärnten, also in die sichere Wasserversorgung in Kärnten. Ihnen danke ich fürs Zusehen! Ich würde mich freuen, wenn Sie auch das nächste Mal wieder dabei sind.

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