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7. April 2024

Expertinnenentalk mit Karin Schorna-Drescher

Infektionsschutz und Impfwesen 

Infektionsschutz und Impfwesen 

Transkript

Hallo und herzlich willkommen zum Expertinnentalk, dieses Mal mit Karin Schorna-Drescher. Sie ist in der Gesundheitsabteilung des Landes Kärnten für Infektionsschutz und Impfwesen zuständig. Herzlich willkommen.

Hallo.

Die Zeckensaison hat bereits begonnen, FSME ist ja eine sehr schwierige Krankheit, wenn man tatsächlich betroffen ist. Wie oft kommt diese Krankheit vor und wie wichtig ist der Impfschutz dagegen?

Aufgrund der milden Temperaturen im Februar sind die Zecken heuer schon sehr aktiv. Und deswegen sollte man nach einem Aufenthalt im Freien seinen Körper systematisch nach den kleinen Parasiten absuchen. Nicht nur sich selber, sondern auch sein Haustier, da die Zecken ja als Passagiere mit Hund und Katze in die Nähe des Menschen gelangen können und mehrere, schwere Infektionen auslösen können. Die Früh-Sommer-Meningoenzephalitis, kurz auch FSME genannt, hat bei uns, in unseren Breiten seit langem einen sehr etablierten, sicheren Impfschutz und es wird empfohlen, diesen regelmäßig aufzufrischen. Nach einer Grundimmunisierung im Kleinkindesalter mit drei Impfungen sollte die erste Auffrischung nach drei Jahren erfolgen. Dann ist sie im Erwachsenenalter mit weiteren fünf Jahren empfohlen, um den Impfschutz aufrecht zu erhalten. Im Seniorenalter dann wieder mit drei Jahren, da einerseits die Leistung des Immunsystems im Alter abnimmt und andererseits aufgrund, auch durch eventuell bestehender Vorerkrankungen, es zu schwereren Infektionen mit Dauerfolgen kommen kann. Leider werden die empfohlenen Impfabstände nicht immer eingehalten und so kam es in den letzten Jahren immer zu schwereren Erkrankungen, trotz eines potentiellen Impfstoffes. 2022 hat es österreichweit 250 Erkrankungen gegeben, 109 Erkrankungen waren es letztes Jahr, davon zehn in Kärnten, wo Patienten aufgrund der Auswirkungen in den Krankenhäusern behandelt werden mussten und zwei Drittel erlitten leider schwerere Erkrankungen mit neurologischen Folgen. Daher ergeht die Empfehlung für eine Kontrolle des Impfpasses und des Impfschutzes, ob eben die Impfung notwendig wäre aufzufrischen, oder ob der Impfschutz noch gegeben ist. Am besten macht man das vor dem Beginn der Zeckensaison oder noch jetzt, wo die Zeckensaison gerade erst begonnen hat.

Beim Hausarzt, oder wo kann man sich da hinwenden?

Man kann eine Impfberatung oder Impfaufklärung an jedem Gesundheitsamt in Kärnten durchführen beziehungsweise auch natürlich nach Voranmeldung beim Hausarzt.

Wir wechseln die Infektionskrankheiten: Masern und Keuchhusten sind bei uns und in Österreich natürlich im Vormarsch. Oft sind Impflücken oder sind diese Infektionskrankheiten durch Impflücken hervorgerufen. Ab wann ist eine so eine Impfung notwendig oder wie oft sind diese Impfungen gegen Masern und Keuchhusten notwendig und worauf sollte man beim Impfpass achten?

Aufgrund des Rückgangs der Durchimpfungsraten jetzt nicht nur in Kärnten, sondern sowohl in ganz Österreich, sind die sogenannten Herdenimmunitäten nun nicht mehr flächendeckend in der Bevölkerung gegeben. Das heißt, die alten bekannten Infektionskrankheiten kommen leider wieder und finden potentielle Personen, die keinen ausreichenden Impfschutz haben und können so weitergegeben werden. Das bedeutet nun, bildlich gesprochen, wenn eine Person einen vollen Immunschutz hat, dass der Infektionserreger mit der vollimmunisierten Person in eine Sackgasse kommt. Das ist jetzt leider nicht mehr ausreichend gegeben und die Infektionen können weitergetragen werden. So sieht man, dass im Moment bei den Masern, wo es österreichweit einen Ausbruch gibt, und bei Pertussis, das ist der Keuchhusten. Man würde sozusagen mit einem potentiellen Impfschutz, das heißt, wenn alle ausreichend geimpft sind, auch einen „Schutzschirm“ – so bezeichnet man das – über Personen legen, die nicht geimpft werden können, das wären Säuglinge oder immungeschwächte Personen, die ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten haben. Man empfiehlt daher, wie Sie bereits erwähnt haben, den Impfpass zu suchen und nachzuschauen, ob man zwei Impfungen gegen Masern-Mumps-Röteln, das ist die MMR-Impfung in seinem Impfpass vermerkt hat, denn zwei Impfungen bieten einen lebenslangen Schutz. Für die Pertussis Komponente, das heißt, die Keuchhusten-Impfung ist in einem Paket mit drei weiteren Impfungen verpackt, die heißt Diphtherie-Tetanus-Pertussis als Vierfachimpfung mit der Polio Komponente, als Dreifachimpfung ohne, sollte man sich alle zehn Jahre auffrischen. In besonderen Lebenssituationen, das heißt, je nach Alter, Berufsausübung, Schwangerschaft, Reisetätigkeit oder Umfeld ist auch schon eine Empfehlung nach fünf Jahren gegeben. Besonders in der Schwangerschaft hat man die Möglichkeit, sich im letzten Schwangerschafts-Drittel impfen zu lassen, somit kann man für das Neugeborene einen Schutz erzeugen.

Welche beziehungsweise sind weitere Impfungen empfehlenswert neben diesen drei, die wir schon besprochen haben?

Empfohlen sind grundsätzlich für alle Kinder in Österreich die kostenlosen Impfungen im Rahmen des Kinderimpfkonzeptes. Mit diesen Impfungen erreicht man einen Basisschutz, eine Basisimmunität gegen Rotaviren, Diphtherie, Wundstarrkrampf, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B, Haemophilus Influenza, die Influenza, dann Masern, Mumps und Röteln, und gewisse Stämme aus der Gruppe der Pneumokokken, Meningokokken und HPViren. Noch nicht im kostenfreien Impfprogramm aber trotzdem empfohlen sind die Varizellenimpfungen. Viele dieser Impfungen sollten dann regelmäßig aufgefrischt werden und dann eben, je älter man wird und je diese Faktoren, die wir schon besprochen haben, diese fünf, sollte man dann eine Impfberatung aufsuchen und sich beim Hausarzt beziehungsweise beim Gesundheitsamt beraten lassen, inwieweit man zusätzliche Impfungen noch erhalten sollte, da wäre zum Beispiel die Pneumokokken Impfung oder eben Herpes zoster ab 50 und RSV ab 60 empfohlen.

Also kommen wir zu einer ganz anderen Impfung, zuerst sehr nachgefragt und dann wild umstritten ist die Corona-Schutzimpfung gewesen und ist sie nach wie vor. Hat die Diskussion um diese Impfung Auswirkungen auf die Impfbereitschaft der Menschen gehabt?

Also die Pandemie an sich hatte Auswirkungen auf die Erreichbarkeit und den niederschwelligen Zugang der Bevölkerung zu Schutzimpfungen im Allgemeinen. Nun zeigen sich Impflücken und sinkende Durchimpfungsrate mit sicheren, bekannten und etablierten Impfstoffen, die uns jahrelang einen Schutz gegen Infektionskrankheiten mit schwereren Verläufen und auch Schutz vor Todesfällen beschert haben. Und nun gilt es, dieses Vertrauen in die Impfungen mit Aufklärung, mit Beratung und einem Zugang, der für alle eben gewährleistet ist, wiederzuerlangen und ein Wissen zu vermitteln, dass jeder einzelne eine informierte Impfentscheidung für sich und seine Kinder treffen kann und damit er auch zur Erkenntnis gelangen kann, dass er nicht nur auf sich selber, sondern auch auf seine Mitmenschen schaut und eine Impfberatung in Anspruch nimmt.

Wenn sich unsere Seherinnen und Seher jetzt dazu entschließen, sich zu informieren über Impfungen beziehungsweise sich tatsächlich impfen lassen möchten, wo können sie sich hinwenden?

Also Impfpass-Checks, Beratungen, Schutz- und Reiseimpfungen können in Kärnten an jedem Gesundheitsamt erfolgen, zusätzlich auch bei allen Ärzten, die an dem Kärntner Impfkonzept teilnehmen und nach Vereinbarung auch bei den Hausärzten. Ich möchte dazu auf die Kärntner Impfwoche verweisen, die traditionell Ende April stattfindet und Informationen dazu erhalten Sie auf unserer Homepage unter ktn.gv.at\impfen.

Danke Frau Karin Schorna-Drescher für die Einblicke in das Impfgeschehen in Kärnten. Ihnen danke ich fürs Zusehen, ich würde mich freuen, wenn Sie auch nächsten Sonntag wieder dabei sind.

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